Sabina Sieghart Kommunikationsdesign


Integrative Typografie


Integrative Typografie geht auf Bedürfnisse der Zielgruppe ein. Kognitive Einschränkungen erschweren das Lesen. Inhalte können mit dem Konzept der Leichte Sprache vereinfacht werden. Damit die Kommunikation erfolgreich ist muß jedoch auch die visuelle Umsetzung stimmen. Das erreichen wir mit integrativer Typografie und barrierefreier Programmierung.


ZUR FORSCHUNG

Barrierefreie Kommunikation
für die Galerie Bezirk Oberbayern


Kunst inklusive! heißt, dass bildende Künstler mit und ohne Behinderung gemeinsam ausstellen und ihre Ausstellung so gestalten, dass sie auch für Menschen mit Einschränkungen erlebbar werden kann. Dazu gibt es ein inklusives Rahmenprogramm mit Tastführungen, Workshops, Künstlergesprächen und Führungen in Leichter Sprache – alle begleitet von einer Gebärdensprachdolmetscherin.

Bereits seit 2012 arbeitet die Galerie Bezirk Oberbayern mit Kunst und Inklusion. Die Räume und die Kommunkation der Galerie waren jedoch nicht barrierefrei. Die Umbauphase 2018 haben wir genutzt um auch die Einladungskarte und Plakate barrierefrei zu gestalten. Dabei arbeiten wir eng mit der Zielgrupe zusammen: Was wird benötigt? Was ist lesbar und verständlich? Welche Informationen sollen auf der Einladungskarte und dem Plakat kommuniziert werden? Oft sind es kleine Überlegungen, die zu guten Ergebnissen führen.


LEISTUNGEN


Konzept
Partizipativer Projektaufbau
Konzept & Gestaltung
Layout
Tests mit Prüfgruppe
Produktion

Barrierefreie Einladung & Plakat

Aus der hochformatige DinLang-Karte wird ein Querformat mit Zick-Zack-Falz. So gewinnen wir Platz um die wichtigsten Informationen in Leichter Sprache zu zeigen. Durch den Falz entstehen drei übersichtliche Blöcke. In der dunkelblauen Spalte sind zusätzliche Informationen. Nun ist die Einladung maximal übersichtlich und lesbar – für alle. Die Rückseite ergibt ein DinA4-Plakat und wird zusätzlich als Aushang genutzt. In Braille-Schrift wird auf die URL-Adresse des barrierefreien pdf hingewiesen.

Der Prozess war partizipativ. Die Entwürfe haben drei Testgruppen bewertet: Künstler der Künstlergemeinschaft atelier hpca, Künstler ohne Beeinträchtigung und die Prüfgruppe für Einfache Sprache von einfachverstehen. Mit dem Feedback haben wir die Entwürfe überarbeitet. Zudem haben wir eng mit der Corporate-Design-Abteilung des Bezirks Oberbayern zusammengearbeitet. Beim Plakat fanden wir eine Lösung die das strenge Raster der Corporate-Design-Vorgaben mit dem Bedürfnis der Zielgruppe nach großer Schrift verbindet. Auch die gleichwertiger Abbildungsgröße der Kunstwerke und eine Kurzinfo zur Barrierefreiheit wird berücksichtigt. Mehr zur aktuellen Ausstellung.


LEISTUNGEN

Überarbeitung Logo
Schriftrecherche
Recherche Theaterlandschaft München

Imagefolder Freie Bühne München

Die Freie Bühne München (FBM) wurde 2014 gegründet um eine Lücke in der Theaterstadt München zu schliessen: Es fehlte ein inklusives Theater.

Bei den Vorbesprechungen zum Imagefolder stand immer die Qualität der Schauspielproduktionen und der Theaterausbildung im Vordergrund. Dass die FBM ein »Theater für alle« ist, ist selbstverständlich. Menschen jedweden Hintergrunds haben die Möglichkeit sich künstlerisch und kreativ zu entfalten. Die FBM will Talente entdecken, sie fördern und Räume zum Ausprobieren schaffen. Schauspieler, Techniker, das Regieteam, mit und ohne Behinderung sind Kollegen auf Augenhöhe, die gemeinsam professionell Theater machen. Der Erfolg gibt ihnen recht: Die Schauspieler Luisa Wöllisch und Dennis Fell-Hernandez spielen nach ihrer Ausbildung an der FBM in Filmen und Theaterproduktionen. Bei meinem Besuch fiel mir jedoch auch das selbstbewusste Auftreten aller Schauspielschüler auf. Die Arbeit im Ensemble stärkt die soziale Kompetenz, Selbstvertrauen, Präsenz und fördert Selbstbehauptung und Persönlichkeitsentwicklung.

Bei der Erarbeitung des Imagefolders haben wir die Theaterszene in München analysiert und auch das Logo der FBM überarbeitet. Die Idee des roten Vorhangs und die Farbe blieben erhalten. Die Schrift »Adelle« ist eine robuste, energiereiche Slab-Serif. Sie transportiert die Dynamik dieses Theaters und ist obendrein sehr gut lesbar. Auch wenn Barrierefreiheit nicht im Fokus stand, ist das bei einer breitgefächerten Zielgruppe wichtig. Das kompakte Logo lässt sich auf Bildern platzieren und wesentlich einfacher verwenden als das alte Logo, das einen weißen Hintergrund benötigt.


LEISTUNGEN

Gliederung der Informationen
Entwicklung eines Faltsystems
Konzept und Gestaltung

Imagefolder

Der Imagefolder sollte klein und handlich sein, die dichte Atmosphäre und die gefeierten Inszenierungen sollten gezeigt werden, dazu Zitate aus der Presse… die Ausbildung sollte ausführlich beschrieben werden, die Produktion musste günstig sein und auch ein Spendenaufruf sollte dabei sein. Der Text war 4 DinA-Seiten lang. Wir haben gekürzt, gegliedert, prägnant formuliert und einen dramaturgischen Ablauf inszeniert: das Postkartenformat faltet sich zu einem A3-Poster auf. Jede Seite hat wenig Text in einer angenehmen Schriftgröße. Die Faltung haben wir mit den Schauspielern getestet. Sie fand Beifall! Auch die technische Seite konnten wir lösen und fanden eine Buchbinderei in München die den ungewöhnlichen Kreuzbruch-/doppelten Altarfalz umsetzen kann. Hier geht es zum pdf.


LEISTUNGEN

Beginn Recherche zur Leichten Sprache
Entwicklung eines typografischen Konzeptes
Konzept & Gestaltung
Layout
Tests mit Prüfgruppe
Partizipativer Projektaufbau


Magazin »Kultur Inklusive!«

In diesem ersten Praxisprojekt wurde uns als Projektteam schnell klar, dass mit den Regeln für Leichte Sprache ein Magazin für beide Zielgruppen nicht möglich war. (Erste Zielgruppe sind Sozialpädagogen, Mitarbeiter in inklusiven Einrichtungen, die zweite Zielgruppe sind die Mitwirkenden in den Projekten).

Unser Team fand in einem pragmatischen Austausch eine gute Lösung. Wir behandelten die Leichte Sprache wie eine zusätzliche Textebene, die mit anderen Worten und Schwerpunkten berichtet. Die Prüfgruppe testete das Magazin – und befand es für sehr gut. Bis heute gilt es als Referenzprojekt. Aus makrotypografischer Sicht ist entscheidend, dass die Textebenen klar unterscheidbar sind. Auf der ersten Doppelseite (Abb. unten) hat man trotz grosser Textmengen das Gefühl, drei bewältigbare Blöcke zu sehen: das Inhaltsverzeichnis links, die Textebene in Leichter Sprache sowie die zwei Textblöcke in schwerer Sprache.

Der Text in Leichter Sprache ist jeweils gekennzeichnet mit einem Ikon und wird trotz unterschiedlicher Platzierung von der Zielgruppe gut aufgefunden. Der Text in Leichter Sprache ist nicht redundant mit dem Text in schwerer Sprache und daher auch für die zweite Zielgruppe interessant. (Fotos Benjamin Schmidt)
Zum barrierefreien pdf des Magazins klicken Sie hier.




LEISTUNGEN

Beratung
Konzept & Gestaltung
Partizipative Projektumsetzung
Design von Testversionen

Ausschreibung Galerie Bezirk Oberbayern


Die Ausschreibung der Galerie 2014 (oben) war im typischen Leichte-Sprache-Design und erreichte die Zielgruppe nicht. Mit der Verantwortlichen der Galerie, der Übersetzerin für Leichte Sprache haben wir die Anforderungen an die Ausschreibung und die Problematik des bisherigen Dokumentes analysiert, in einem mehrstufigen Prozess überarbeitet und mit der Prüfgruppe getestet. Letztendlich brachten wir mehr Inhalt auf zwei statt vier Seiten unter. Die schwer lesbare Schrift Arial haben wir durch einen optimal lesbaren Schriftschnitt der Hausschrift ersetzt. So wird das Corporate Design auch auf mikrotypografischer Ebene umgesetzt. Weitere CD-Elemente wie der blaue Rahmen, das Logo in dunkelblauen Feld und Bilder werden nun in der Leichte-Sprache-Version verwendet. Optisch ähnelt sie nun der Version in schwerer Sprache (oben ganz rechts). Die unspezifischen Illustrationen entfielen oder wurden durch Piktogramme ersetzt. Zur Analyse und Kurzpräsentation.